Besuch aus Burkina Faso - Bischof Modeste Kambou

Bischof Modeste Kambou war auf seiner Reise durch die bayerischen Bistümer auch zu Gast in unserem Priesterseminar. Bei dieser Gelegenheit gewährte er uns einen Abend lang Einblicke in die kirchliche Situation in seiner Heimat.

Zum Weltmissionssonntag durften wir in unserer Mitte Bischof Modeste Kambou aus der Diözese Gaoua in Burkina Faso begrüßen, der auf Einladung von Missio München an verschiedenen Orten in Bayern seine Diözese vorgestellt hat. Das Augsburger Priesterseminar ist seiner Diözese in besonderer Weise verbunden, da es mit einer Spende das dortige Priesterseminar unterstützt hat, wo sich zurzeit 13 Seminaristen und damit ebenso viele wie bei uns im Haus befinden. Bischof Modeste ist der erste Bischof der Diözese Gaoua, die von Papst Benedikt errichtet wurde. Bischof Modeste war vom 27. bis 29. Oktober unser Gast. Von hier aus fuhr er zu Treffen mit verschiedenen Gruppierungen. Am Samstagmorgen feierte Bischof Modeste mit der Seminargemeinschaft Eucharistie; am Samstagabend gab er uns Einblick in die Situation der Kirche in Burkina Faso.

Burkina Faso, was „Land der aufrechten Menschen“ bedeutet, liegt in der Sahelzone, hat 20 Mio. Einwohner, einen Altersdurchschnitt von 16,8 Jahren und eine Lebenserwartung von 55,5 Jahren. Das Christentum ist erst vor gut 100 Jahren dorthin gekommen und heute gehören in der Diözese Gaoua 5% der Bevölkerung der katholischen Kirche an, während 89% traditionelle Religionen praktizieren. Bischof Modeste sieht die Kirche in seiner Diözese noch in einer frühen Phase wie in der Apostelgeschichte und sieht eine wichtige Aufgabe der Kirche darin, mit der traditionellen Kultur und Religion in Dialog zu treten. Evangelisierung soll nicht an der Lebenswirklichkeit der Menschen vorbei geschehen, sondern deren Kultur und Lebensweise sollen Ausgangspunkt für die Verkündigung sein und in das Christentum integriert werden, soweit dies möglich ist und nicht im Widerspruch zu Glaubensinhalten steht. Schließlich sei das Christentum auch stark von der europäischen Kultur geprägt worden, als es sich in Europa ausgebreitet hatte, gibt Bischof Modeste zu bedenken.

Bischof Modeste, der selbst bereits katholisch aufgewachsen ist, kennt die traditionellen Religionen gut und auch von allen Priestern in seiner Diözese werden Kenntnisse dieser Religionen verlangt. Nur so könne Inkulturation gelingen. Christen werden dort nur akzeptiert, wenn sie das Leben der Menschen besser machen und den Respekt vor der alten Kultur bewahren. Um ein gutes Miteinander von Christentum und anderen Religionen zu fördern, pflegt Bischof Modeste beispielsweise den Kontakt mit dem König von Gaoua und anderen führenden Persönlichkeiten der Gesellschaft, von denen dann auch er als Amtsträger anerkannt wird.

Wir haben von Bischof Modeste Dinge erfahren, die man sich bei uns gar nicht vorstellen könnte, wie zum Beispiel, dass zum Abschluss einer Versammlung von Menschen unterschiedlichster Religionen, auch Anhängern des Islam, der Segen eines katholischen Priesters, bzw. Bischofs, erbeten wird. Auch bei der Liturgie gibt es in Burkina Faso neben der Musik andere Ausdrucksformen wie den Tanz, der für die Menschen dort zum Lob Gottes mit dem ganzen Körper dazugehört.

Mithilfe von Spenden über Missio München wurde unter anderem auf dem Gefängnisgelände von Gaoua ein Gebetsraum errichtet. Auch wurde ein Geländewagen für Bischof Modeste gekauft, damit er für seine Pastoralbesuche weite Strecken über unwegsames Gelände schneller zurücklegen kann und nicht wie zuvor per Kamel, wie es andere Bischöfe noch tun.

Im Blick auf die Situation der Kirche in Deutschland sagt Bischof Modeste, auch bei uns sei eine Inkulturation des Christentums wieder nötig, angesichts der vielen jungen Menschen, die sich nicht mehr für die Kirche interessierten, weil sie vielleicht nicht so Gottesdienst feiern wollten wie ihre Großeltern.

Wir danken Bischof Modeste für die beeindruckenden Einblicke in seine Erfahrungen und nehmen als Anregung für uns mit, wie Herr Regens zum Abschluss formuliert, dass bei uns zwar die Inkulturation des Christentums schon gut 1200 Jahre her ist, aber noch immer nicht abgeschlossen.

31.10.2017