„Identität und Berufung“ – Recollectio im Sommersemester 2013

„Identität und Berufung – Ein anthropologischer Zugang“. Unter diesem Motto stand die Recollectio dieses Sommersemesters...

„Identität und Berufung – Ein anthropologischer Zugang“. Unter diesem Motto stand die Recollectio dieses Sommersemesters, die der Professor für Dogmatik und Dogmengeschichte P. Dr. Stefan Oster SDB von der Philosophisch-Theologischen Hochschule Benediktbeuern für uns im Priesterseminar gestaltete. Diese beiden Tage bieten eine Zeit der Besinnung und Sammlung, die durch Stillschweigen und einer nächtlichen Anbetung unterstützt wird.
In den drei Vorträgen versuchte uns Prof. Dr. Oster die Bedeutung und Funktion von Identität mit Hilfe eines Dreischritts zu erläutern:
Die erste Beobachtung galt der menschlichen Identität durch einen anthropologischen Zugang. Das dynamische Selbstverhältnis des Menschen zeichnet sich besonders dadurch aus, dass dieser Eigenbezug sich zugleich zum Anderen und zur Welt insgesamt verhält. Somit ereignet sich personale Identität nie bloß singulär, sondern bleibt auf den Anderen angewiesen und steht in einer Abhängigkeit zur kollektiven Identität. Aber diese sich herausbildende Identität befindet sich immer auf dem Weg zwischen Gewesenem und Zukünftigem. Prof. Oster wies uns auch auf Gründe für ein Misslingen von Identitätserfahrung hin: Fehlende Hingabe, Mangel an Vertrauen in die Gutheit der Welt Welt oder überhöhte bzw. verkehrte Selbstbilder können die Herausbildung von gesunder Identität stören.
Der zweite Vortrag nahm Identität als christliche und kirchliche Identität wahr: Der explizite Ausdruck, dass ich mir selbst gegeben und geschenkt bin führt zu der Erkenntnis, dass gelingendes Selbstsein nach christlicher Überzeugung erst in einem Glauben sich ereignen kann, der aus dem Vertrauen lebt, dass Gott mich selbst und den Anderen liebt. Die Frage nach der religiösen Identität lässt sich vor diesem Hintergrund nur im Atem- und Lebensraum der Kirche selbst beantworten. Kirche darf aber nicht, wie heutige Trends eher aufzeigen, als Ort der Polarisierung gelten, in dem ich mich zu einer dieser Extreme positioniere und den anderen ablehne. Das Verständnis der Kirche als Wohnort Gottes in der Welt zeigt mir jenen Ort, in dem sich eine versöhnte, integrierte kirchliche und zugleich christliche Identität im Gehen mit dem Herrn „bis unter das Kreuz“ herausbilden kann.
Der letzte Schritt fragte nach der möglichen Existenz einer priesterlichen Identität. Diese stelle die innere Verfügbarkeit für die Inanspruchnahme durch Christus als dem Haupt seiner Kirche dar. Besonders in der Feier der Eucharistie steht der Priester in persona des Bräutigams seiner Kirche als Braut gegenüber. Trotz dessen ist und bleibt er auch selbst ein Kind der Kirche. In der repraesentatio Christi capitis ist er der Kirche zugeordnet, aber eben zugleich in einer profilierten Unterschiedenheit von ihr. Diese Identität entfaltet sich explizit als männliche Identität, die der Kirche als Braut in der repaesentatio Christi capitis begegnet.
Wir danken Herrn Prof. P. Dr. Oster für diese geistlichen Einkehrtage und für die wertvollen Perspektiven, die uns einen hilfreichen Zugang zur Herausbildung einer christlichen und vor allem priesterlichen Identität bieten können.

09.05.2013