Bist Du berufen?

Besuch von Bundesminister a.D. Dr. Theo Waigel

„Die Freundschaft zwischen den Generationen pflegen“: Unter diesem Motto besuchte der ehemalige Bundesfinanzminister Dr. Theo Waigel (86) Ende November das Augsburger Priesterseminar.

In seinem Eröffnungsvortrag ging der CSU-Politiker auf zahlreiche aktuelle Themen der Bundes- und Weltpolitik ein und rief die Studenten auf, sich mit den politischen und gesellschaftlichen Diskussionen unserer Tage zu beschäftigen. Anschließend folgte ein rund anderthalbstündiger Austausch mit den Seminaristen.

Besonders spannend – teilweise erheiternd – waren die Anekdoten aus seiner aktiven Zeit. Der „Vater des Euro“ wusste interessante Einzelheiten zur Einführung der Gemeinschaftswährung zu erzählen. Eindrücklich schilderte er sein Ringen in Gewissensfragen, beispielsweise bei der Reform des § 218 StGB im Zuge der Deutschen Einheit.

Theo Waigel ist in unserer Diözese tief verwurzelt und bis heute ein engagierter Katholik, was sich auch in einem profunden Wissen über theologische Diskurse zeigte. Geprägt von der Zeit in katholischen Jugendverbänden, entschied er sich für den Eintritt in die Politik. Dabei ließ er sich von christlichen Maximen leiten und wandte sich gegen eine Politik des Freund-Feind-Schemas. Gerade in schwierigen Zeiten habe ihm der Glaube und die Gemeinschaft der Kirche viel geholfen. Gemeinsame Messfeiern in Bonn hätten damals Politiker über Parteigrenzen hinweg miteinander verbunden.

An die angehenden Priester richtete er den eindringlichen Appell: „Lassen Sie niemanden allein!“

Christian Schuck
01.12.2025