Bist Du berufen?

Jahresexerzitien in Ottobeuren

Die diesjährigen Jahresexerzitien der vor Ort studierenden Augsburger Priesterseminaristen der Kurse 1 bis 4 fanden in der Benediktinerabtei Ottobeuren vom 4. bis zum 10. Oktober statt. Prior-Administrator Pater Christoph Maria Kuen OSB leitete unsere Exerzitien mit dem Thema: „Nicht mit der Zeit, sondern mit der Kirche gehen“.

Nach unserer Ankunft am Samstagabend gab es eine Klosterführung auf den für uns täglichen Wegen während unseres Aufenthalts. Von nun an durften wir an einer Auswahl der Liturgie des Konvents teilnehmen. So begann für uns der geistliche Teil der Exerzitien am Samstagabend mit der Teilnahme an der 1. Vesper vom Sonntag des Konvents im Kapitelsaal. Nach dem anschließenden Abendessen rekreierten wir in gemeinschaftlicher Runde, die wir in uns selbst auferlegtem Schweigen beendeten.

Nach den Laudes, dem Frühstück und der heiligen Messe am Sonntagmorgen, begann der erste von insgesamt zehn Impulsen, die jeweils mit dem dreimaligen Bittgebet „Komm, Hl. Geist, komm durch die mächtige Fürsprache des unbefleckten Herzens Mariens, deiner so geliebten Braut!“ eingeleitet wurden.

Mit der Kirche gehen

Wir müssen Acht geben, dass wir den ganzen Christus verkündigen (totus Christus) und nicht nur unser Lieblingsthema. Prior-Administrator Pater Christoph Maria Kuen OSB plädierte für  Existentialismus in der Theologie. Die Frage danach, was mir das Wort Gottes persönlich jetzt sage, sei durchaus eine der zentralen. Des Weiteren komme es in der Pastoral darauf an, Geduld aufzubringen und nicht gleich auf Erfolg zu warten. Auch sei es wichtig, Werte wieder ins Bewusstsein der Gläubigen zu holen. Der erste Impuls hatte Hab 2,1 – 5 (Der Gerechte bleibt wegen seiner Treue am Leben.) zum Inhalt und mündete in ein Zitat des französischen Philosophen, Mathematikers und Physikers Blaise Pascals (1623 – 1662): „Es gibt zwei Arten von Menschen: die Gerechten, die sich für Sünder halten und die Sünder, die sich für gerecht halten.

Nach der Mittagshore, dem Mittagessen und Kaffee und Kuchen erfolgte nun täglich um 15 Uhr ein zweiter Impuls, der am Sonntag Lk 17,5 – 10 (Wäre euer Glaube auch nur so groß wie ein Senfkorn!) thematisierte. Gustave Le Bon (1841 – 1931) meinte einst zum Thema Glauben: „Dem Menschen einen Glauben zu schenken heißt seine Kraft verzehnfachen.“

Im Anschluss an den Impuls bekamen wir eine Führung durch den Klostergarten zur Bruder-Klaus-Krypta, die durch die Klostergruft bis zurück in den Klostertrakt beim Kapitelsaal führte. Anschließend wurden uns Bereiche gezeigt, die sonst unter Klausur stehen, wie das Refektorium. Unsere Führung endete bei der einstigen Empfangshalle für Gäste, die in einer Kutsche anreisten, und deren Tore heute nur noch bei besonderen Anlässen, wie bei Professen, geöffnet werden und als Raum für den Empfang der Gäste dienen.  

Am Montag standen die Schriftlesungen Phil 3,8 – 14 und Lk 9,57 – 62, am Dienstag Apg 1,12 – 14 und Lk 1, 26 – 38, am Mittwoch Jona 4, 1 – 11 und Lk 11, 1 – 4 und am Donnerstag Mal 3, 13 – 22 und Lk 11,5 – 13 im Fokus.

Freiräume bei Exerzitien

Vor und nach den Impulsen bestand die Möglichkeiten zu einem seelsorglichen Gespräch, das auch als Beichtgespräch genutzt werden konnte. Weitere Möglichkeiten für Freiräume waren etwa Ottobeuren oder die Umgebung zu erkunden, in die Basilika, das Klostermuseum, die Bibliothek, den Klosterladen oder in eine der Kapellen zu gehen oder in der Gemeinschaft mit den weiteren Mitseminaristen den Rosenkranz zu beten. Das mögliche liturgische Angebot war täglich reichhaltig.

Apostolischer Segen zum Ende

Am Donnerstag beendeten wir mit dem Abendessen nach der Vesper unser Schweigen und reisten am Freitag nach unserer Verabschiedungsrunde mit Möglichkeit zum Feedback, der Weihe unserer mitgebrachten oder erworbenen Andachtsgegenstände und final gestärkt durch einen päpstlichen Segen wieder ab.


Unser herzliches Vergelt’s Gott ergeht an Prior-Administrator Pater Christoph Maria Kuen OSB, seine Conpatres, Mitbrüder und alle Beteiligten, die zum Gelingen der Exerzitien beigetragen haben. Für unsere schöne Zeit bei unseren Jahresexerzitien in Ottobeuren sei Ihnen herzlich gedankt!

24.10.2025