Recollectio-Wochenende mit Prof. Vogl

„Ich bin bei euch alle Tage.“ (Mt 28,20)

Dieses Jahr war Prof. Wolfgang Vogl, Universität Augsburg der Vortragende für die Recollectio. Mit seinem eigenem Primizspruch und viel Eigenerfahrung mit demselben führte er uns auf den Weg zur Gegenwart Gottes – auch im Alltag.

Professor Vogl führte uns zum Thema mithilfe eines Wortes aus der Apostelgeschichte (Apg 3,6): Petrus aber sagte: Silber und Gold besitze ich nicht. Doch was ich habe, das gebe ich dir: Im Namen Jesu Christi des Nazoräers, geh umher!“ Der Mensch – gerade in unserer heutigen Zeit – stellt an seine Umwelt übergroße Erwartungen und Wünsche, doch genau wie Paulus wollte Prof. Vogl uns kein Silber oder Gold geben, sondern das, was er immer bei sich trägt: Sich selbst und seine geistlichen Erfahrungen.

Jeder Mensch trägt in sich eine Sehnsucht. Professor Vogl stellte dies anhand eines Bildes einer dunklen Allee dar: Am Ende der Allee konnte man deutlich das Licht sehen. Der Mensch arbeitet sich auf das Licht zu und sehnt sich danach, bei ihm zu sein. Jeder Mensch braucht eine Sehnsucht als innere treibende Kraft, der er folgen kann. Die letzte Sehnsucht, die der Mensch verspüren kann, ist Gott.

Diese geistliche Erfahrung kristallisiert sich in Vogls Primizspruch Mt 28,20: „Ich bin bei euch alle Tage bis zum Ende der Welt.“

Drei Bibelstellen stellte Professor Vogl uns vor, immer verbunden mit dem Gedanken der Nähe Gottes. Die erste Bibelstelle war der Traum Jakobs von der Himmelsleiter: Gen 28,10-22

Jakob musste, weil er sich den Segen erschlichen hatte, vor seinem Bruder fliehen und reiste zu seinem Onkel Laban. Auf dem Weg dorthin befand er sich am absolutem Nullpunkt. Keine Familie, nur das Notdüftigste dabei und um sich den Segen zu erschleichen, musste er sich selbst verleugnen. Der erschlichene Segen hatte sich in einen Fluch verwandelt! Doch nun, als Jakob alles losgelassen hatte, konnte Gott ungestört wirken: Gott baute Jakob wieder auf und zeigt ihn in einer Vision die Himmelsleiter, auf welcher die Engel auf und ab gehen. Stein und Traum, Welt und Gott werden im Traum zusammengeführt: Die ganze Welt erstrahlt in Herrlichkeit! Doch was passiert, wenn Jakob wieder aufwacht? Die Realität ist die gleiche geblieben; nichts hat sich verändert. Trotzdem ruft Jakob sein Erstaunen aus: „Wahrlich Gott ist an diesem Ort und ich habe es nicht gewusst.“ Und er baute aus den Steinen, auf denen er schlief, einen Altar. Genauso wie Jakob können auch wir gerade im Alltag – nicht nur wenn es uns gut geht – Gott begegnen und uns in Erstaunen versetzen lassen: Wahrlich, Gott ist da!

Die zweite Bibelstelle war Mk 4,35-41: Der Seesturm. Jesus lehrt seine Jünger durch Wort und durch Tat; hier im Schlaf und im Sturm. Sein Schlaf ist eine Lehre an die Jünger: Der Herr ist eingestiegen und deshalb wird er auch bleiben. Er ist nicht fort nur weil er schläft. Unsere Aufgabe besteht darin, den Herrn durch Bitten zu wecken und aufzurütteln, ansonsten bleibt er schlafend und unsichtbar in unserem Leben. Das Boot steht in einem engen Zusammenhang mit dem Kreuz. Beide Male setzt Jesus sein Vertrauen auf seinen Vater und fordert die Jünger auf, dasselbe auch zu tun. Nachdem Jesus den Sturm beruhigt hat, kehrt völlige Stille ein. Die Jünger sinken auf die Knie und beten ihn an. Jesus möchte in unserem Leben der ruhende Pol sein und sein Vertrauen in seinen Vater uns lehren; so können wir durch die Ruhe in uns dem Vater nahe sein.

Die dritte Bibelstelle ist die Emmauserzählung (Lk 24,13-35): Die Jünger sind auf dem Weg und obwohl Ostern ist, ist die Stimmung gedrückt, denn ihnen fehlt der Glaube. Die Jünger sind traurige Schatten, doch sie reden über Jesus und versuchen, das Geschehene zu verarbeiten. „Wo zwei oder drei in meinem Namen versammelt sin, da bin ich mitten unter ihnen.“ Und so geht Jesus mit ihnen und lehrt sie. Als die Jünger am Ziel waren, tat Jesus so als wolle er weitergehen. Daraufhin bitten die Jünger ihn zu bleiben. Der Herr ist da; er muss nur gebeten werden. Es gilt, den Herrn so zu sehen, wie er ist und nicht, wie wir ihn haben möchten. Im Liebesopfer – der Eucharistie – ist Jesus bei uns und wir erkennen ihn. Es gibt kein größeres Erkennen als das Erkennen in der Eucharistie, denn größer noch ist Jesus, wenn er nicht nur bei uns, sondern in uns ist. So hat er sich verborgen, um bei uns zu sein. Die Emmausjünger sind daraufhin wie ausgewechselt; obwohl die Realität die gleiche ist, brechen sie sofort auf und gehen nach Jerusalem im Vertrauen, dass Gott bei ihnen ist; dass ihre Realität von Gott erfüllt ist.

Wir hatten viel Freude und Begeisterung an diesen Vorträgen. Nicht nur hat uns Professor Vogl einen Weg gezeigt, Gott im Alltag zu finden, sondern auch, dass Gott uns unterstüzt und inspiriert. In der Nachtanbetung konnten wir diese Gegenwart Gottes auch im speziellen Bereich spüren. Wir möchten danken für die zwei wunderschönen Tage. Viel Freude, Glück und Gottes Segen.

14.01.2017