„Beten als Realitätsgewinn“ – Recollectio im Wintersemester 12/13

Die Recollectio im aktuellen Wintersemester stand unter dem Thema „Beten als Realitätsgewinn“ und wurde von dem emeritierten Tübinger Neutestamentler Prof. Dr. Gerhard Lohfink gehalten...

Die Recollectio im aktuellen Wintersemester stand unter dem Thema „Beten als Realitätsgewinn“ und wurde von dem emeritierten Tübinger Neutestamentler Prof. Dr. Gerhard Lohfink gehalten, welcher schon häufiger zu den geistlichen Einkehrtagen in das Priesterseminar Augsburg eingeladen wurde. Prof. Dr. Lohfink lebt derzeit in Bad Tölz und ist dort Theologe in der Katholischen integrierten Gemeinde.
Damit ein christlich-religiöser Mensch mit seinem Gott in Beziehung treten kann benötigt er, wie auch zwei Menschen, welche miteinander in einen Austausch treten, die Sprache. Gebet ist sprechen mit Gott. Und so, wie zwei Menschen eine innige liebende Beziehung miteinander besitzen können, kann auch der Christ mit Gott diese Beziehung gestalten, die ein ganzes Leben umfassen kann. Diese konkreten Sprech- bzw. Gebetshaltungen sind vielseitig. Die alttestamentlichen Psalmen zeigen uns die gesamte Palette der menschlichen Gemütszustände: Gott anklagen, ihn bitten, Gott lobpreisen und ihm danksagen. Anhand dieser vier Gebetshaltungen eröffnete uns Prof. Lohfink die Bedeutung und Notwendigkeit jeder einzelnen Form und dass diese miteinander in einer notwendigen Abfolge stehen und zugelassen werden müssen. Die Psalmen zeigen uns, wie wichtig es ist die Not, die ich erfahre zum Ausdruck zu bringen, sie Gott zu klagen. Aber diese Klage bleibt nicht stehen, sondern die Hoffnung, dass Gott diese Not von uns nimmt, führt uns zum Bitten Gottes um sein allmächtiges Eingreifen. Als Israels Klage und Bitte erhört wurde und Gott sie aus der Knechtschaft Ägyptens befreite, priesen sie ihn laut vor versammelter Menge. Lobpreis ist auch Danksagung für die Taten Gottes in der Geschichte. Die Psalmen zeigen uns diese menschliche Struktur und übernehmen diese.
Wir danken Herrn Prof. Dr. Lohfink für diese geistlichen Einkehrtage und für die wertvollen Perspektiven, die uns ein tiefes Gebetsleben eröffnen können.

13.01.2013