Cooperatores veritatis – Mitarbeiter (an) der Wahrheit

Gedanken zum Jahresmotto 2011/12

Ich möchte unser diesjähriges Motto von einer Stelle im Markus-Evangelium her beleuchten, die mir im Lauf meiner Tätigkeit als Spiritual immer wichtiger geworden ist. In Mk 3,14f. heißt es: "Und er schuf die Zwölf, damit sie mit ihm sind und damit er sie aussende, zu verkündigen und die Vollmacht zu haben, Dämonen auszutreiben."

Zuerst Mit-sein, dann Mit-arbeit

Der erste Grund, warum Jesus die Zwölf erwählt, ist schlicht der, dass sie "mit ihm sind". Er sucht nicht zuerst geeignete Arbeitskräfte oder gar willfährige Handlanger, er sucht Freunde, Gefährten, Menschen, die gerne bei ihm sind. Er sehnt sich nach persönlicher Beziehung und Vertrautheit. Mitarbeit an der Wahrheit gründet daher im Mit-sein mit Christus, der sich als der Weg, die Wahrheit und das Leben offenbart. Mitarbeiter an der Wahrheit ist nicht derjenige, der richtige Glaubenswahrheiten verbreitet, sondern der Jünger, der mit der Wahrheit lebt, der geistlich lebt – mit IHM.

Mit Anderen gerufen und gesandt

Sodann bedeutet Mit-arbeiter sein, zusammen mit Anderen gerufen und gesandt zu werden. Jesus Christus ruft jeden einzeln bei seinem Namen (Mk 3,16ff), aber von Anfang an in die Gemeinschaft. Keiner wird exklusiv aufs Podest gehoben, sondern ist in den Jüngerkreis, in die Gemeinschaft der Kirche eingebunden. Er sendet sie aus – aber zu zweit. Leitungsvollmacht und Autorität wird verliehen, aber als Dienst am Aufbau und der Einheit der Kirche. Ich bin überzeugt: Wenn wir das "Kollegium" als Grundlage unserer Mitarbeit wieder neu entdecken und ernst nehmen würden, die Wahrheit unserer Botschaft würde mit viel größerer Kraft aufleuchten. Vereinzelung, Grüppchenbildung und autoritäres Auftreten unter uns verdunkeln das Evangelium.

Mit den Menschen sein

Mit-sein mit Christus und mit den anderen Gerufenen ist kein Selbstzweck, sondern geschieht um der Sendung zu den Menschen willen. Den Mitarbeitern (an) der Wahrheit ist aufgetragen, die Frohe Botschaft zu verkünden und Dämonen auszutreiben. Dazu ist eine Vertrautheit mit dem Wort Gottes nötig und die tiefe Überzeugung, dass dieses Wort Kraft hat und Befreiung bringen kann, wo immer Menschen körperlich und seelisch verwundet, belastet, in Ängsten, Abhängigkeiten und Schuld verstrickt sind. Viele Menschen unserer Zeit warten auf das kraftvolle, geistvolle Wort und auf innere und äußere Heilung. Sie fordern uns mehr als früher heraus. Sie fragen und prüfen, ob wir wirklich das glauben und leben, was wir verkünden – und tun damit uns und der Wahrheit unserer Botschaft letztlich einen Dienst.

(Spiritual Herbert Kohler)