Interview
Augsburg, 22.6.2009 (Quelle: IBA). Am 28. Juni werden im Augsburger Mariendom sechs junge Männer zu katholischen Priestern geweiht. Für Regens Martin Straub ist es die erste Priesterweihe seit seinem Amtsantritt als neuer Leiter des Augsburger Priesterseminars. Mit der Bischöflichen Pressestelle sprach Regens Straub über Priesterberufung, steigende Priesterzahlen und Geistliches Leben. Das Interview führte Kathi Marie Ulrich.
IBA: Im Juni werden erstmalig seit Ihrer Amtseinführung als Regens sechs Diakone zu Priestern geweiht. Wie haben Sie diese Männer auf ihrer letzten Etappe ihrer Ausbildung bis zur Weihe begleitet und was geben Sie ihnen mit auf Ihren Weg?
Regens Straub: "Zum Abschluss ihrer Priesterausbildung habe ich die Aufgabe, die zentralen Fragen, die sich jeder Diakon vor dem Empfang des Weihesakramentes stellen muss, mit jedem der sechs zukünftigen Priester noch einmal eingehend zu erörtern. Es geht um eine letzte Gewissenserforschung vor der Weihe, ob jeder der Kandidaten für sich die endgültige Entscheidung treffen will, der Kirche als Priester zu dienen. Da es für einen Priester die wichtigste Aufgabe ist, die Menschen mit Gott in Berührung zu bringen, gebe ich den Weihkandidaten mit auf den Weg, bei allen Aufgaben in der Pfarrei stets aufmerksam für ihr geistliches Leben und ihre eigene Beziehung zu Gott zu bleiben. Nur ein Priester, der selbst ein Vertrauter Gottes ist, kann das Vertrauen der Menschen zu Gott vermitteln und fördern."
IBA: Unter den sechs Weihekandidaten befinden sich zwei so genannte Spätberufene. Sie selbst haben sich ebenfalls erst nach dem Studium der Physik für den Priesterberuf entschieden. Inwiefern gibt es bei Spätberufenen einen Unterschied in der Berufung und dementsprechend in der Begleitung bis zur Weihe?
Regens Straub: "Es gibt keinen Unterschied in der Berufung. Die Einübung des geistlichen Lebens beginnt immer mit der Entscheidung die Berufung zu prüfen. Der Spätberufene hat daher keinen kürzeren Weg als jemand der unmittelbar nach dem Abitur in das Priesterseminar eintritt. Es zeigt sich jedoch, dass Spätberufene die Ausbildung oftmals entschlossener beginnen. Was die Begleitung des Spätberufenen betrifft, so muss die Arbeit mit seiner eigenen Biographie eine besondere Aufmerksamkeit erhalten. Es ist wichtig, zu sondieren, welche der bisherigen Erfahrungen wertvoll für die Seelsorgearbeit als Priester sein können und welche weniger. Auf keinen Fall, darf das vorherige Leben einfach ausgeblendet werden. Seiner Berufung als Priester folgen, kann nur ein Mensch, der sich über seine Vergangenheit, Gegenwart und Zukunft bewusst ist."
IBA: In Bayern ist die Anzahl der Priesterweihen leicht angestiegen. Worin ist dieser Anstieg begründet?
Regens Straub: "Ich habe den Eindruck, dass sich junge Leute angesichts des riesigen Marktes an Möglichkeiten das eigene Leben zu gestalten, häufiger als früher die Frage stellen, was das Leben wirklich trägt. Auch junge Menschen kommen für sich zu dem Ergebnis, dass der Glaube an Jesus Christus eine positive und frohe Lebensperspektive bietet. Wir sollten daher die männliche Jugend aus unseren Pfarreien mehr ermutigen, den Weg der Berufung zum Priester in Betracht zu ziehen. Der Priesterberuf muss wieder als echte Alternative aktiv vorgeschlagen werden, wenn junge Männer über ihre Zukunft nachdenken und sich dies bezüglich Rat holen."
IBA: Was können Sie als Regens zusammen mit Ihrem Team dazu beitragen, dass junge Männer den Weg zur Priesterweihe einschlagen und bis zum Empfang des Sakramentes beibehalten?
Regens Straub: "Wir stehen jedem, der sich mit dem Gedanken trägt, ins Priesterseminar einzutreten, für Gespräche zur Verfügung. Wir geben je nach Reife des persönlichen Entschlusses Empfehlungen zur Entscheidungsfindung und zum Zeitpunkt des Eintritts. Wir vermitteln Männern, die ein erstes Gespür für eine mögliche Berufung bekommen möchten, auch Exerzitien, Kurse z.B. beim Offenen Seminar der Diözese Augsburg oder anderen Angeboten der Berufungspastoral. Wir öffnen unser Haus an den Infotagen für den Austausch mit den Alumnen und werden in Zukunft bei großen Jugendveranstaltungen wie dem Diözesanjugendfestival 'Zwanzig09' im Juli präsent sein."
IBA: Was halten Sie für das Wichtigste der Priesterausbildung- und Begleitung neben dem Theologiestudium?
Regens Straub: "Das Wichtigste ist, bei den Alumnen die Freude am geistlichen Leben zu wecken, damit sie die erlösende Liebe Gottes erfahren und somit später als Priester authentisch das Evangelium bezeugen können. Die Gemeinde, die sie einmal leiten, soll spüren, dass ihr Pfarrer aus der Liebe zu Jesus Christus heraus lebt und sie nicht nur predigt."